LETIZIA CALORI & VIOLETTE MAILLARD, Interview (in English): Fire, 10. – 12.02.2012, Rundgang der Staatlichen Hochschule für Bildenden Künste, Städelschule, Frankfurt am Main
Letizia Calori & Violette Maillard arbeiten seit zwei Jahren gemeinsam. Sie teilen alle Arbeitsschritte von Idee über Konzept bis hin zur Umsetzung. Für den Rundgang der Städelschule haben die Gaststudentinnen aus der Klasse Tobias Rehberger die Installation "Fire" konzipiert. Die besticht durch klare Form ohne Langeweile. Diese Klarheit erlaubt es, Emotion mit Philosophie zusammen zu bringen. Fire ist eine Art konstruktiver Wigwam, der aus Holzdreiecken außen und rotem Stoff innen besteht. Fire kommt chic daher wie ein Designmöbel und entpuppt sich dann wild in seiner Bedeutung als Feuer. Letitzia und Violette erzählen über Ideen und Arbeitsschritte. Letizia Calori & Violette Maillard work together since two years. They share the work through all stages from concept to implementation. The guest students in the class of Tobias Rehberger designed the installation "Fire" for the "Rundgang Städelschule".
more and Interview
OKWUI ENWEZOR / MONA HATOUM im Gespräch im Rahmen von MP6, Meeting Points, Contemporary Art Festival from the Arab World, 14.01.2012, Haus der Kulturen der Welt, Berlin
'Zivilgesellschaft und Kunst' – eigentlich sollte dies Thema des Vortrags werden. Ob das Thema verfehlt oder doch eingelöst wurde, ist Ansichtssache oder zeigt das 'weite Feld', das die Pole 'Kunst' und 'Politik' markieren. Okwui Enwezor schätzt an der Kunst Mona Hatoums besonders die politische Bedeutung ihrer Kunstwerke. Hatoum beantwortet Enwezors Fragen nach der Entstehung ihrer 'politischen' Kunstwerke mit privaten Gründen, die sich außerdem aus der aktuellen Situation ergaben, nicht aus einem übergeordneten Plan. Parallel zum Gespräch werden Schwarz-weiß-Fotos von Hatoums Performances aus den späten 1970er und frühen 1980er Jahren hinter die Diskutanten projiziert. Diese Performances zeigen eine radikale Bildsprache, die durch die schwarz-weiße Dokumentation noch unterstrichen wird.
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A Material World, 14.01. – 18.02.2012, PSM Gallery, Berlin mit Carsten Nicolai, Niko Princen, Katarzyna Przezwanska, Florian & Michael Quistrebert, Olve Sande, Timur Si-Qin, kuratiert von Carson Chan
Immaterialität, Information kontrastiert mit sinnlicher Materie: In 'A Material World' versammelt Kurator Carson Chan Statements zu unserer sich verändernden Wahrnehmung der Dinge im Zeitalter des Internet. Eine riesige goldblaue "Fahne" mit Fransen und Lochmuster aus Leinwand hängt im gelbgekachelten Nebenraum als Verweis auf materielle Verlockungen, die Madonnas titelgebender Song verheißt. Im (wieder einmal) dunklen Hauptraum Google Street View-Impressionen als Symbol für eine Internetwelt. Bodenfugen sind mit fluorisierender Farbe gefüllt. Bodennahe Projektionen zeigen ästhetische physikalische Lichtspiele. Diesen immateriellen Werken sind wenige materielle entgegengesetzt: Eine mittelhohe installative rechteckige Skulptur, an einem Podest eine Tasche mit schweren Steinen vom Ostseestrand. Die sparsam gesetzten Arbeiten, Leere und
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Interview Ben Kaufmann am 20.12.2011, Galerie Ben Kaufmann, Berlin
Am 20.12.2011 spreche ich mit Ben Kaufmann in seiner Galerie. Anlass ist, dass seine Galerie, die ich sehr geschätzt habe, zum Jahresende geschlossen wird. Intensiv und ausführlich legt Ben Kaufmann seine Intentionen für Gründung und Aufbau seiner Galerie dar, beschreibt die neuen Formate, die er gegen Ende seiner Arbeit kreierte, um die herkömmliche Tätigkeit des Galeristen zu erweitern, sowie die Gründe für die Schließung der Galerie. Roter Faden des Gesprächs ist Ben Kaufmanns Haltung zum Leben und der Kunst, die sich gerade auch aus der Auseinandersetzung mit meinen Thesen und Fragen heraus schält. Ben Kaufmann beschreibt, wie er seine Rolle als Galerist empfunden hat. Zu diesem Interview erscheint in Kürze ein weiterer Beitrag, der die Leistungen der Galerie in den Kontext der Kunstentwicklung einordnet.
Zum Interview
Geheimgesellschaften – Secret Societies, Kunsthalle Schirn, Frankfurt a. M.
The Art of Narration changes with Time, Galerie Sprüth Magers, Berlin
The Cannibal’s Muse II, Autocenter on location "Based in Berlin"

Drei Ausstellungen zeitgenössischer Kunst von drei Kuratoren diesen Sommer. Trotz unterschiedlicher Thesen gibt es eine Schnittmenge der ausgewählten Kunst, die man unter das Motto stellen könnte: Nichts ist so wie es scheint. Trompe-l'œil, Mimikry, Zitat – die Kunstwerke erschließen sich nur mit intellektueller Arbeit. Sie nutzen die traditionellen Formen Malerei, Skulptur, Installation, Video. Doch der flüchtige Blick täuscht: Hinter der gewohnten Fassade verbirgt sich eine ungewöhnliche Idee oder Machart. Dieses Merkmal zeitgenössischer Kunst griffen die Kuratoren auf und interpretierten es mit ihren Ausstellungsideen. Sonst sind die Ausstellungen unterschiedlich, nicht nur in Bezug auf Ort, Institution und Marktlevel. Das besondere Präsentieren nach einem visuell kommunizierenden Konzept prägt zunehmend Einzel- und Gruppenausstellungen.
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Text Textile Texture, 10.03. – 18.04.2012, Galerie Barbara Weiss, Berlin
mit Monika Baer, Thomas Bayrle, Geta Brătescu, Ayșe Erkmen, Friederike Feldmann, Christine & Irene Hohenbüchler, Jonathan Horowitz, Jim Isermann, Jennifer Jordan, Ivan Morley, Rebecca Morris, Susanne Paesler, Mai-Thu Perret, Rosemarie Trockel und Suse Weber
"Text Textile Texture" – mit diesem Titel und der Künstlerauswahl eröffnet die Galerie Barbara Weiss, Berlin, einen weiten Assoziationsraum. Der neuerwachte künstlerische Seitenblick auf politische Prozesse, das zarte Revival der 1970er Jahre in Kunstausstellungen, die immerwährende Suche nach unverbrauchten Materialien für Kunstwerke: Die Gründe für die Verwendung von textilen Materialien im aktuellen Kunstkontext sind vielfältig. Stoff ist ein weiches, warmes, passives Material und deshalb bestens geeignet, soziale, organische Prozesse zu symbolisieren (oder gar zu befördern, wie bei den "Werksätzen" von Franz Erhard Walther). Textur oder Struktur, ein weiterer Bestandteil des Titels, ist ein wichtiger Begriff der Soziologie und damit natürlich auch der 1970er Jahre. Die Gemeinsamkeit des Webens und Strukturierens von Text und Stoff ist offenkundig. Nun handelt es sich um eine Gruppenausstellung, auch diese ein Gewebe mehrerer Künstlerpositionen. Keine der folgenden Aussagen trifft jeweils auf alle Arbeiten zu. Doch bilden sich Schwerpunkte. Gemeinsam ist den meisten der Arbeiten das Material Stoff.
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JAN PETER HAMMER, The Fable of the Bees, 13.01. - 11.02.2012, Supportico Lopez, Berlin
'That which is seen and That which is unseen' heißt das Kunstwerk, das am stärksten im Kopf haften bleibt, weil man es nicht sehen muss, um es zu konsumieren. Das, was man dann sieht, ist nicht das, um was es geht: Der Mann mit grauen Haaren setzt sich an den schlichten Bürotisch vor seine hellgraue, kleine Kasse, vermeidet den Augenkontakt und fühlt sich sichtlich unwohl. Er ist Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. Seine Tätigkeit heute Abend: Eine Parabel des Kapitalismus verkörpern. Er bewacht das Geld, mit dem er am Ende entlohnt wird. Er ist Sklave seines Lohns. Seine Individualität ist für den Job sonst und auch jetzt unwichtig. Er darf auch nicht fotografiert werden. Der Titel des Kunstwerks bezieht sich auf Maximen unseres Wirtschaftssystems, lässt sich aber auch auf die künstlerische Vorgehensweise beziehen: Als abstraktes Sprachbild funktioniert es auch. Stark.
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MARTIN BOYCE / LASSE SCHMIDT HANSEN im Gespräch mit Renate Wiehager, Conceptual Tendencies 1960s to Today. Werke der Daimler Kunst Sammlung, 12.01.2012, Daimler Contemporary, Haus Huth, Berlin
Martin Boyce ergreift dynamisch das Wort und würzt den Vortrag über seine künstlerische Arbeit mit britischem Humor. Wir erfahren, dass der Keim für den gerade erhaltenen Turner-Preis bei einem Stipendien-Aufenthalt in Berlin gelegt wurde. Boyce beschäftigte sich – ausgehend von den Skulpturen der Brüder Martel, die in den 1920er Jahren in Beton gegossene Bäume in den öffentlichen Raum platzierten – selbst mit dem Baummotiv und verband dies später mit einer selbst entwickelten Schrift. So entstanden variationsreiche skulpturale Elemente: Gitter, hängende Skulpturen, "Tische", Bodenplatten (Skulpturenprojekt Münster 2007), aus denen Boyce für seine prämierte Installation schöpfte. Thema all dieser Elemente: Kunst imitiert Natur. Das Publikum sitzt auch auf den Steinen von Boyce' Installation, was nicht so geplant war. Boyce ist bereits der zweite Redner.
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Ich bin der Welt abhanden gekommen. Karl May – Live-Hörspiel mit Oliver Augst / John Birke / Marcel Daemgen, 9./10./11.12.2011, Atelierhaus basis, Frankfurt am Main
Oliver Augst, John Birke, Marcel Daemgen sitzen in einer Reihe. Vor sich Mikrofone, Laptops und Plattenspieler. Im Atelierhaus basis gibt es ein Tonstudio aus Landesbildstelle-Zeiten. Ein "Live-Hörspiel" wird hier an drei Abenden öffentlich aufgenommen. Es gibt digitale Tonkonserven, Schallplatten, Musikinstrumente, Verabredungen per Skript. Was aber exakt wann stattfindet, wird spontan entschieden. Motor ist der Text Birkes. Der Text eint O-Töne Karl Mays, mit Texten über ihn, samt eigenen Texten Birkes. Live und Konserve mischen sich, Stimmen der Sprecher überlagern sich ebenso wie die Sichtweisen auf Karl May, der sich seine Welt erfand, weil er mit der wirklichen Welt nicht zurechtkam. Was ist Lüge, was wahr? Hat Karl May ein "Ave Maria" komponiert, damit Winnetou zum Christ werden kann?
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Geheimgesellschaften - Secret Societies, 23.06. - 25.09.2011, Kunsthalle Schirn, Frankfurt a. M.
kuratiert von Cristina Ricupero und Alexis Vaillant (Paris), mit Abel Auer, Art & Language, Dan Attoe, Armin Boehm, Enrico David, Kaye Donachie, Tim Ellis, Gretchen Faust, Uwe Henneken, Jenny Holzer, Joachim Koester, Terence Koh, Elad Lassry, Fabian Marti, Goldin+Senneby, Markus Schinwald, Ulla von Brandenburg, Carl Michael von Hausswolff und Michael Esposito, Cerith Wyn Evans, Lisa Yuskavage und anderen
Historisierend, rätselhaft, mystisch, esoterisch versammeln sich Kunstwerke vor auffälliger Kulisse: Neongelbe Wände oder halbdunkle Räume. Den Kunstwerken "steht" die Präsentation, aber sie hätten sie nicht nötig gehabt. Im White Cube hätten sie ihre Wirkung ebenso entfaltet. Hier illustrieren die Kunstwerke aber die These vom Geheimbund. Da wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, die Aussage durch zu viele Ausrufezeichen verwässert: Gerade das subtile Spiel der heutigen Kunst wird unmöglich. Die Kuratoren greifen die Täuschung und Vielschichtigkeit heutiger Kunst auf und potenzieren dies zur eindimensionalen Aussage. Das mag für einen Teil des breiten Schirn-Publikums sinnvoll sein, weil auch der kunstferne Besucher etwas zu schauen findet. Für die Kunst macht diese Inszenierung, die nur verstärkt, was schon ist, keinen Sinn.
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